Re: zu Siddartha (Buddha)

Die Ewige Religion

Geschrieben von Ahmet am 13. Februar 2001 19:24:25:

Als Antwort auf: Re: zu Siddartha (Buddha) geschrieben von Nina2 am 03. Februar 2001 17:19:43:

>Hallo Ahmet,
>es hat zwar ein wenig gedauert, aber jetzt komme ich doch noch dazu, auf deinen Beitrag nochmal :-) zu antworten.
>>Eigentlich ist in diesem Forum sehr viel auch über buddhistische Elemente gefallen. Sie sind vielleicht nicht gleich erkennbar.
>Sorry, das habe ich dann wohl überlesen.
>Die Grundwerte des Menschen werden in allen Religionen gleich verstanden. Die 10 Gebote sind auch für sie gültig.
>Das stimmt nicht so ganz. Zwar gibt es auch im Buddhismus Regeln und auch einige Überschneidungen mit den 10 Geboten, grundlegende Unterschiede sind aber auch vorhanden. Der wichtigste Unterschied ist wahrscheinlich, dass keine der buddhistischen Regel sich auf Gott bezieht (ist ja auch kein Wunder, weil der in dieser Religion nicht vorkommt). Und da es im Buddhismus keinen Gott gibt (jedenfalls keinen allmächtigen Schöpfergott), werden auch die Regeln als "Menschenwerk" betrachtet. Es heißt zwar, daß ihre Einhaltung den Weg zur Erleuchtung erleichtert, aber sie besitzen insgesamt eine geringere Allgemeinverbindlichkeit als die 10 Gebote (die ja als gottgegeben angesehen werden und damit eine absolutes, nicht beugbares Gesetz darstellen).
>Einigkeit herrscht allerdings tatsächlich beim Gebot der Nächstenliebe. Meines Wissens ist dieses Gebot (wenn auch anders formuliert) das wichtigste Gebot des Buddhismus.
>>Siddartha gefiel das aber ganz und gar nicht. Er war für Gerechtigkeit auf allen Ebenen der Menschheit, wie es die Rigveda lehrte. Kein Mensch soll einem anderen unterlegen oder überlegen sein. Das führte dazu, das er das Priestertum verweigerte, die Kasten, somit auch die Karmalehre und die Reinkarnation als ungültig erklärte. Er lehrte den Menschen, sich von der Religion zu lösen und Selbst die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Da die Gesellschaft jedoch nicht von heute auf morgen diese Leidenbringenden Lehren beenden konnten, nannte er diese, die ihm nicht folgten "Im Kreislauf der Wiedergeburten gefangene"(das Wort in Sanskrit fällt mir zur Zeit nicht mehr ein). Die anderen, welche ihm folgten waren die Erleuchteten. Das ist die Version, wie es in den Pali-Texten(älteste Buddhistische Schriften) ersichtlich ist.
>Diese Version von Erleuchtung ist mir neu. Sie klingt für mich aber sehr einleuchtend :-)). Interessieren würde mich allerdings, auf welche Stelle im Pali-Kanon du dich beziehst.
>
>>Du hast schon recht, wenn Du den heutigen Buddhismus betrachtest. Ich aber würde die Worte Siddarthas als Grundlage sehen. Das würde also heissen, man soll die Eigenverantwortung nicht einer Institution überlassen, sondern selbst verwalten, in dem man sich nicht einer Religion unterwirft.
>Nunja. Einerseits gebe ich dir hier recht. Aber die meisten buddhistischen Richtungen versuchen ja auch gar nicht, einem die Eigenverantwortung abzunehmen. Im Gegenteil, sie ist sogar ein ganz zentraler Aspekt dieser Religion. Da Gott hier keine Rolle spielt, gibt es auch niemanden der einen erlösen kann. Es gibt auch keine Vergebung (ausser im zwischenmenschlichen Sinne). Man trägt die gesamte Verantwortung selbst. Man erleuchtet sich quasi selbst. Nicht Gott ist es, der einen erlöst.
>>Das ist schon richtig. Auch ein Atheist kann ein guter Mensch sein, wenn er die Grundwerte des Menschen fühlt und damit umgehen kann. Dazu braucht auch er keinen Gott. Ich hoffe einfach, dass auch diese vor Gottes Gericht kommen und nicht vor ein menschliches Gericht.
>*grins* Das sehen wir Atheisten aber anders! :-)).
>Ich selbst glaube nicht an Gott, halte das aber für eine persönliche Entscheidung - mir ist klar, daß ich meine Position auch nicht beweisen kann. Allerdings glaube ich an die Menschen. Ich denke, trotz aller Gewalt, Dummheit, Intoleranz etc. hat jeder Mensch im Grunde eine positiven Kern. Selbst die schlimmsten Verbrecher sehnen sich nach Liebe und können lieben (auch wenn diese Eigenschaften oft sehr verschüttet sind). Ich glaube daher, daß auch die Menschheit insgesamt in der Lage ist, ihre derzeitigen sozialen, politischen etc. Probleme in den Griff zu bekommen. Auch wenn das noch ein weiter Weg ist, erscheint er mir doch aussichtsreicher als darauf zu warten, dass Gott diese Probleme löst ;-)).
>*so, das war jetzt eine kleine Darstellung meiner persönlichen Überzeugung grinslaberbla*
>>Alleine? Dafür ist doch Gott für dich da?
>Ich glaube ja nicht an Gott, wie schon gesagt. Das erklärt vermutlich mein Interesse für den Buddhismus. Da ich aber an viele Aspekte des Buddhismus auch nicht glaube :-), muß ich wohl (ähnlich wie du??), auf eine Religion verzichten *lachlach*
>Ich finde, wer einen Weg in einem System (Religion) aus eigenem Willen bevorzugt, der soll das auch tun. Denn wenn man überzeugt ist, so kann das nur negative Folgen haben, wenn man wegen jemand anderem etwas an sich ändert. Wenn man aber nach den Geboten lebt, so ist ganz klar Gott derjenige, der wenn überhaupt, der als Anhaltspunkt zu sehen ist.
>Das sehe ich anders. Man kann sich durchaus für ein moralisches Leben entscheiden, auch wenn man nicht daran glaubt, dass es irgendein höheres Wesen gibt, dass die eigenen Handlungen beurteilt. Wenn ich für einen anderen Menschen Mitgefühl empfinde, sein Bestes will, ihn nicht verletzen will, kann das auch aus völlig uneigennützigen Motiven geschehen. Ein solches Motiv wäre z.B., dass ich mit meinen Mitmenschen identifizieren kann. Ich kann mich in ihn, seine Lage usw. hineinfühlen. Fühle selbst, was er fühlt. Empatievermögen ist eine grundlegende menschliche Eigenschaft, die uns zu selbstlosen Handlungen befähigt.
>Halte ich dagegen nur Gebote, weil ich ansonsten Gottes Zorn befürchte bzw. mir eine Belohnung (in den Himmel kommen etc.) erhoffe, handle ich nicht selbstlos. Ganz im Gegenteil, ich verhalte mich nur deshalb moralisch, weil ich mir dadurch eigene Vorteile erhoffe.
>Andererseits können Religionen uns helfen, unsere positiven Eigenschaften zu entdecken und zu pflegen. Ohne eine Richtlinie und ohne andere Menschen, mit denen man sich austauschen oder von denen man lernen kann, ist das schon sehr schwierig. Hier sehe ich die Hauptaufgabe von Religionen. Dein Weg erscheint dagegen sehr viel Glaube und sehr viel persönliche Perfektion zu erfordern.
>>Also ich persönlich sehe die Zehn Gebote als Ursprung Gottes.
>Also das verstehe ich jetzt nicht ganz. Ich dachte immer, dass Gott als der Ursprung der 10 Gebote angesehen wird. Hast du dich hier nur vertan oder täusche ich mich hier?
>Viele Grüsse,
>Nina2





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