Re: Zum Nachdenken
Geschrieben von Jonatan am 15. Dezember 2000 18:54:39:
Als Antwort auf: Zum Nachdenken geschrieben von Jonatan am 13. Dezember 2000 17:49:18:
Ein Buch, das nicht "wahr" sein darf
Jahrhundertelang fragte kein Mensch danach, wie die Bibel entstanden sein
könnte. Sie war einfach da. Erst mit der Aufklärung im 17. Jahrhundert
kamen solche Fragen auf. Im Rahmen der »historisch-kritischen Exegese«
wurden bibelkritische Thesen eingeführt, die die Bibel unter rein
materialistischen Gesichtspunkten werteten. Sie reduzierten die Bibel auf
bloßen Beispielcharakter, ohne realistischen oder gar historischen Bezug.
Personen, Orte und Ereignisse wurden nach und nach als unhistorisch erklärt.
Dies ist bis heute die einzige von den theologischen Fakultäten anerkannte
Art, an die Bibel heranzugehen.
Die Bibel selbst bezeugt von sich, dass sie inspiriert ist, d.h. dass ihre
Inhalte von Gott einzelnen Menschen offenbart wurden, die sie dann
niederschrieben. Gläubige Christen sind hiervon überzeugt.
Es existieren also zwei Sichtweisen. Die eine stellt die Bibel als
Menschenwerk dar, als ein im Laufe der Jahrhunderte entwickeltes
literarisches Werk, das in wechselseitiger Beziehung und Beeinflussung zu
anderen antiken religiösen Schriften und Vorstellungen steht. Gott wird
dadurch zu einem Symbol für »das Gute«, er existiert nur in der religiösen
Vorstellungswelt.
Die andere geht davon aus, dass Gott eine real existierende Person ist,
jedoch ohne an Raum und Zeit gebunden zu sein. Er ist der Schöpfer der
Welt und hat einen konkreten Plan mit ihr, den er in der Geschichte verfolgt hat
und noch heute verfolgt, und den er Menschen, die für ihn offen sind,
durch sein Wort mitteilt. Sein Wort, die Bibel, ist unfehlbar und wahr,
während menschliches Forschen - dazu gehört auch die Theologie - dem
Irrtum unterliegen kann.
Die Bibel ist eine Sammlung aus mehreren Büchern, die während eines
Zeitraumes von 2000 Jahren entstanden sind. Ihre Verfasser stammen aus
unterschiedlichen sozialen und kulturellen Umfeldern. Dennoch eint ein
Umstand alle diese Verfasser: Alle schildern ihre Erlebnisse mit einem
Wesen, das sich als Gott und Schöpfer der Welt bezeichnet. Das ist der
»rote Faden«, der sich durch die gesamte Bibel zieht und alle Bücher zu
einer »bemerkenswerten Einheit« verwebt. »Unverkennbar ist das
gemeinsame Ziel und der gemeinsam verfolgte Plan, den man an besten durch
das Wirken einer einzigen Intelligenz, nämlich der Intelligenz des göttlichen
Verfassers selbst, erklären kann.« [1, Seite 17]
Ein wichtiges Thema ist die Überlieferung der Bibel. Wie genau sind die
heute vorliegenden Schriften der Bibel, wenn ihre jüngsten bereits 2000
Jahre alt sind - und man bis zur Erfindung des Buchdrucks im 15.
Jahrhundert nur von Hand vervielfältigen konnte?
Jüdische Gelehrte befolgen beim Kopieren ihrer Heiligen Schriften strenge
Regeln: Kein einziger Buchstabe darf aus dem Gedächtnis geschrieben
werden. Am Ende einer Spalte werden die Buchstaben gezählt. Bei
Unstimmigkeiten oder wenn man sich verschrieben hat, muss man nochmal
ganz von vorne beginnen! Dadurch ist eine exakte Kopie gewährleistet.
Die Masoreten, eine Gruppe jüdischer Gelehrter, kopierten während der
ersten 8 Jahrhunderte nach Christus wieder und wieder die jüdischen
Heiligen Schriften (das Alte Testament) gemäß dieser Regeln, sobald eine
Kopie Gebrauchsspuren trug und damit unbrauchbar wurde. Sie bewahrten
dadurch den Text beinahe originalgetreu. Diese Genauigkeit ist eine in der
gesamten Geschichte einmalige Meisterleistung.
Auch das Neue Testament wurde überwältigend genau überliefert. Zwar
fehlen bis heute sämtliche Originale, dennoch stimmt der heutige Text mit
alten Funden völlig überein. Der »Codex Sinaiticus«, den Konstantin von
Tischendorff im Katharinenkloster am Berg Sinai entdeckte, datiert auf das
Jahr 300. Er enthält 199 Bögen des Alten und das gesamte Neue Testament.
Dadurch erhält die Forschung große Sicherheit bei der Rekonstruktion des
originalen Textes, der als Grundlage für unsere heutigen Übersetzungen
dient.
Doch wann wurden die Berichte schriftlich fixiert? Über wieviele
Generationen wurden sie mündlich überliefert?
Lange Zeit nahm man an, die Menschheit hätte die Schrift erst um das Jahr
1000 v. Chr. entwickelt. Ereignisse aus früherer Zeit seien bis dahin nur
mündlich von Generation zu Generation mitgeteilt worden. Mose konnte nicht
der Autor der »Fünf Bücher Mose« sein, da er um 1500 v. Chr. lebte. Bis
heute hält sich die Theorie, die fünf Bücher Mose seien erst während und
nach dem babylonischen Exil, also nach 600 v. Chr., entstanden. Ihr Inhalt
sei darum nur gleichnishaft zu verstehen, stelle aber keine historische
Realität dar.
Funde von Tontafeln belegen jedoch,
dass bereits im Jahre 3500 v. Chr. im
Nahen Osten hochentwickelte
Zivilisationen bestanden.
Um 2000 v. Chr. waren bei den
Sumerern selbst einfache Leute des
Schreibens mächtig. Man fand nicht
nur Verträge, sondern auch Briefe von
Frauen an ihre Männer auf
Handelsreise, in denen sie Alltägliches
berichten, z.B. das Wohlergehen der
Kinder oder Probleme bei deren
Erziehung. Sogar Schreibübungen aus
der Schule wurden entdeckt.
In der Ausgrabungsstätte von Ebla
nahe der Stadt Aleppo/Syrien fand
man eine Bibliothek aus dem Jahre
2500 v. Chr., die 16 000 beschriftete
Tontafeln enthielt. Diese erwähnen -
wie sonst nur die Bibel - die Städte
Sodom, Gomorra und Haran.
Viele Archäologen, z.B. P.J. Wiseman, nehmen daher an, dass bereits
Abraham, der um das Jahr 2000 v. Chr. lebte, selbstverständlich schreiben
konnte und seine Erlebnisse auf Tontafeln festhielt, die er an seine
Nachkommen weitergab.
Mose nun, der in Ägypten am Hof des Pharao aufwuchs, dürfte dort
problemlos Zugang zum gesamten Geschichtswissen seiner Zeit gehabt haben,
als Nachkomme Abrahams wohl ebenso zu dessen Tafeln, vielleicht sogar zu
Dokumenten von Noah oder gar Adam, wie Wiseman u.a. vermuten. Da er die
damals höchstmögliche Bildung genoss, wäre er sowohl methodisch als auch
schriftstellerisch in der Lage gewesen, diese Schriften in seinem erstes Buch
redaktionell zu verarbeiten. Für die vier anderen Bücher Mose käme er dann
in jedem Fall aus Autor in Betracht, da sie den Auszug aus Ägypten und die
Wüstenwanderung des Volkes Israel aus seiner Sicht schildern.
Auch die Qumranrollen haben die Glaubwürdigkeit der Bibel untermauert.
Die in den Jahren 1947/48 bei Qumran am Toten Meer in Höhlen
entdeckten Tonkrüge enthielten Schriftrollen und Schriftrollenfragmente
von erstaunlich guter Qualität. Diese wurden im 1. Jahrhundert n. Chr. dort
versteckt und überdauerten fast 2000 Jahre.
Man fand dort das gesamte Alte Testament, das exakt mit dem heute durch
die Masoreten bekannten Text übereinstimmt. Darüberhinaus förderte man
Fragmente einiger neutestamentlicher Texte zutage, so beispielsweise einen
Teil des Markusevangeliums, der sich auf das Jahr 40-50 n. Chr. datieren
lässt. Es ist also nur etwa 10 Jahre nach den Ereignissen um Jesus
entstanden.
Kein anderer historischer Bericht der Antike folgt den Ereignissen, die er
schildert, zeitlich so knapp! Er entstand, als die Augenzeugen der Ereignisse
noch am Leben waren.
Von den meisten anderen Werken der antiken Literatur liegen übrigens keine
Kopien vor, die vor dem 8. Jahrhundert entstanden. Trotzdem käme niemand
auf den Gedanken, dass z.B. Julius Cäsar das, was wir heute in seinem Werk
»Der Gallische Krieg« lesen, gar nicht so verfasst hätte. Warum aber geht
man so mit der Bibel um? Darf sie etwa nicht wahr sein?
Auch die Archäologie in Israel belegt beeindruckend die Zuverlässigkeit der
biblischen Berichte:
Pontius Pilatus beispielsweise galt lange Zeit als
reine Erfindung der Bibel. Es soll ihn nie gegeben
haben. Warum? Es gab keine Quellen, die seine
Existenz bezeugten (nur die Bibel, und deren
Zeugnis glaubte man nicht).
Nun grub man in Cäsarea und förderte neben
vielen Relikten aus der Zeit der römischen
Besatzung einen Stein zutage, der die Inschrift
trägt: »Pontius Pilatus Praefectus Iudaea«,
»Pontius Pilatus, Statthalter in Judäa«.
Oder der Teich Betesda in Jerusalem. Nach Johannes 5 befand sich dort zur
Zeit Jesu ein von fünf Säulenhallen umgebener Teich. Auch dieser Teich galt
bis 1931 als Erfindung. Bis in jenem Jahr französische Archäologen dort
einen rechteckigen Teich von knapp 100 m Länge und etwa 60 m Breite
ausgruben. Er war auf allen vier Seiten von je einer Säulenhalle umgeben und
in der Mitte von einer fünften quergeteilt.
Der heutige archäologische Erkenntnisstand spricht eine deutliche Sprache
zugunsten der Bibel. Der Bibelkritik, die dazu geführt hat, dass die Bibel in
erster Linie als unwahr und mythologisch betrachtet wird, muss man jedoch
zugute halten, dass ihre Thesen an abendländisch-europäischen
Schreibtischen entstanden - weit weg vom orientalischen Israel, dem Ort, wo
sich alles ereignete. Zudem waren damals die heutigen Erkenntnisse der
Archäologie nicht bekannt.
Dennoch werden sie bis heute ignoriert: Die Bibelkritik wird heute nicht nur
an Universitäten, sondern auch schon an Schulen als wissenschaftliche
Erkenntnis gelehrt. Statt sie zu einer intellektuellen Auseinandersetzung mit
den beiden Ansätzen zum Verständnis der Bibel zu motivieren, impft man
schon Kindern ein Misstrauen gegen die Bibel und damit gegen ihr
Wertesystem ein.