Re: Reinkarnation oder Seelenwanderung?
Geschrieben von Ahmet am 18. August 2005 12:57:47:
Als Antwort auf: Re: Reinkarnation oder Seelenwanderung? geschrieben von Cemil Kaya am 17. August 2005 01:54:18:
Hallo Cemil,
Ich versuche hier nur meine Ansichten zu schildern. Ich hoffe, es auch richtig verstanden zu haben.
Cemil: …die Frage kann nicht sein, ob die Reinkarnation der richtige Weg sei, nach dem man ihren Bestand und ihre Triftigkeit festgestellt hat. Das wäre zu vergleichen mit der Frage, ob das (physische) Leben der richtige Weg zu Gott wäre…
Ich sehe hier den Zusammenhang nicht ganz. Ich versuche einmal zu verstehen, was Du zu verdeutlichen versuchst. Wurde das Physische Leben, wie die Reinkarnation von Philosophen entwickelt? Gibt es da mehrer Möglichkeiten? Das ist mir nicht bekannt. Ich dachte, Gott der Schöpfer hat uns Menschen nach seinem Bildnis (Idee, Plan) geschaffen. Kann man das physische Leben nicht fühlen? Ist das Physische Leben nicht eher ein Naturgesetz?
Cemil: Es obliegt nicht uns, aus subjektivem Befinden heraus zu entscheiden, ob wir die Reinkarnation benötigen, sie wollen , oder nicht, zumal ja sie explizite dafür steht, daß durch mehrmaliges Inkarnieren Entwicklung, Reifung und Vervollkommnung stattfindet.
Ist das eine Tatsache? Oder sind das Worte eines Propheten? Entscheidet nicht Gott, was man nach dem Tod erleben wird? Angenommen, ein Gläubiger lebt sehr nach dem Willen Gottes. Dieser Gläubige glaubt aber an die Reinkarnation. Dann wäre es doch eine Enttäuschung für diesen Gläubigen, wenn er das (nach seinem Tode) nicht so erleben würde? Das ist eben nur Glaubenssache.
Du schreibst, es obliege nicht uns, es zu entscheiden. Hier denke ich, eine Philosophie anzunehmen oder abzulehnen kann alleine ich entscheiden. Buddha sagte es, und forderte es sogar. Gott alleine hat dann die Entscheidung, ob er den Glaubenswunsch zulassen möchte oder nicht.
Hat Gott nicht die Propheten geschaffen, um den schwachen Menschen den „Rechten Weg“ zu zeigen? Gerade deshalb, weil Philosophen ihre eigene Ideologie aufstellten und so vom Plan Gottes abfielen? Für mich gilt auch Siddhartha (Buddha) zu diesen Mittlern des einen höchsten Gottes, die der Philosophie (Menschenlehre) den Kampf ansagten.
Nun noch die Erklärung, warum ich die Reinkarnation als eine Philosophie sehe. Es obliegt uns, Wissen anzueignen und mit Verstand zu handeln. Da sind wir uns sicherlich einig. Heute weiss man, dass um 500 v. Chr. der Philosoph Uddalaka Aduni erstmals die vedische Schöpfungsgeschichte (Aus dem Nichts entstand...) ablehnte und die heute in der Philosophie gebräuchliche "Es gab keinen Anfang-Ideologie" entwickelte. Daraus leitete er dann auch die Reinkarnation ab und ignorierte somit die bis dahin im heiligen Wissen (Rigveda) verankerte ursprüngliche Lehre der Seelenwanderung (mehrere und höchste Himmel). Zu erwähnen wäre hier noch der anfänglich grosse Widerstand, den Uddalaka Aduni erleben musste, als er die Chandogya- Upanischaden verbreiten wollte. Erst als die brahmanische Priester-Kaste den Vorteil erkannte, wurde sie so angenommen und verbreitet.
Mein Verstand sagt mir hier, dass ich mich nicht Philosophien hingeben soll, sondern einzig dem Willen Gottes, ein Leben (im jetzigen) nach dem Plan Gottes zu führen, ohne mich von Menschenlehren ablenken zu lassen. Ich glaube eben, das würde mir den Weg zu Gott nur unnötig verlängern. Denn mein Glaubens- Wunsch ist es, zu Gott zurück zu kehren, und mich wie im Siebten Himmel zu fühlen. Und sollte es doch nicht für den "Siebten" reichen, dann ist es halt ein anderer. Dann werde ich die dort gestellte Aufgabe anstreben, was ja nicht gleich wie hier bei uns sein muss. Das weiss nur Gott.
Cemil: Wiedergeburt ist aber keine Zeitschleife, in der man sich gefangen hält, aus der man nur durch den Wusch wieder herausfinden könne.
Für Buddha (Siddhartha) war das aber schon so. Noch im jetzigen Leben soll man sich davon körperlich und geistig befreien, war seine Lehre. Das Werkzeug dazu waren die "vier edlen Wahrheiten" (Die Ursache des Leidens erkennen) um dann über den "achtfachen Pfad" zur Befreiung vom Kreislauf der Widergeburten zu gelangen. Natürlich war die brahmanische Kultur nicht einfach umzukrempeln. Daher entstand im 2. Jahrhundert die neue buddhistische Lehre (Grosses Fahrzeug), die auch im Westen verbreitet ist. Diese neue Lehre führte die Meinung ein, dass man es nicht im gleichen Leben schaffen kann und daher ein Entwicklungsprozess nötig sei. Aber kein Wort von Buddha oder einem Propheten diesbezüglich als Bestätigung. Wiederum eine Menschenlehre.
Cemil: Glaube ist ein Gefühl, das etwa mit der Liebe zu vergleichen ist, welche nicht aufhört zu sein, wenn man um das Geliebte weiß. So wie also Liebe durch Wissen nicht zu ersetzen ist, ist auch der Glaube nicht durch das Wissen zu ersetzen.
Schön geschrieben. Glaube kann also auch blind machen, wissen aber sollte es nicht.
Cemil: Was Anderes: Ich bewundere Deine unermüdliche Arbeit nach wie vor. Mach weiter so. Daß wir unterschiedliche Ansichten haben, sollte uns nicht schaden, sondern vielmehr nützen. Darin zeigt sich ja auch die Größe des Geistes.
Genau, dafür schätze ich Dich sehr. Danke, das Du als Schreibpartner existierst. Alleine wäre es langweilig. Ich hoffe, Dir nicht zu nahe getreten zu sein. Mich würde noch interessieren, ob es für deinen Reinkarnationsglauben (einige Dutzend; nicht in ein Tier oder pflanze etc.) eine Grundlage (heilige Schrift oder so) gibt, oder ob Du deinem Geist freien Lauf gelassen hast.
Friede
Ahmet