Re: Die Katharer - Verfolgte der Kirche - nicht nur - aber auch, wie so viele
Geschrieben von Gegendenstrom am 19. März 2003 19:06:14:
Als Antwort auf: Re: Die Katharer - Verfolgte der Kirche - nicht nur geschrieben von salt am 19. März 2003 17:47:57:
Grüss Dich Salt,
ich hoffe Du kommst wieder "in die Reihe" !
nachträglich ein paar Anmerkungen:
>>"Sie lehnten die Romkirche mit ihren Dogmen, Sakramenten und Reichtümern ab,
predigten statt dessen Gewaltlosigkeit, Vegetarismus,"
soweit, so gut aber genau hier kommt es:
"Wiederverkörperung und Weltverneinung."
ich denke doch, das steht ein bischen gegen die schriften des NT. <<
Zum Thema Reinkarnation im Ur-christentum:
Der Glaube an die Wiederverkörperung war im Urchristentum enthalten und wurde erst nachträglich verbannt !!
In Konstantinopel wurden zwei wesentliche Lehrsätze des „Kirchenvaters" Origenes (185/186 - 254) „verflucht", die Voraussetzung bzw. Ziel von Reinkarnation sind.
Bei den Lehrsätzen handelt es sich um ...
1.) ... den Glauben, dass die Seele eines Menschen vor der Geburt des Menschen existiert.
2.) ... den Glauben, dass einst alle Menschen wieder den Weg zu Gott finden.
Origenes war nach den Worten seines Anhängers Rufin jemand, der darauf bedacht war, „nur das als Wahrheit [zu] glauben, was in nichts von der kirchlichen und apostolischen Überlieferung abweicht" (Rufin in Peri Archon I, Praefatio 2). Im Canon 9 des gegen Origenes gerichteten Dokuments der Synode von Konstantinopel wurden einige seiner Glaubenssätze jedoch verworfen (Denzinger-Schönmetzer, Enchiridion Symbolorum, Freiburg 1965, 34. Auflage, 403.411). Stattdessen setzte sich in der Kirche die Lehre durch, dass die Seele bei der Zeugung des Menschen durch Gott neu erschaffen und dass ein Teil der Menschen ewig verdammt wird (z.B. Neuner-Roos, Der Glaube der Kirchen in den Urkunden der Lehrverkündigung, Regensburg 1971, 10. Auflage, S.183. 532f.; Nr. 895f.).
Schon ca. 150 Jahre zuvor hatte der Kirchen-Patriarch Theophiles von Alexandria Origenes verdammt und ab etwa 397 begonnen, die Vernichtung seiner ca. 2000 Schriften zu organisieren.
„Kirchenvater" Hieronymus (345 - 420) schildert zum Beispiel, wie die Truppen des Patriarchen urchristliche Gruppen überall in Palästina überfallen und die dort befindlichen Origenes-Schriften sofort verbrennen (Epistula 86; nach Sträuli, Origenes, der Diamantene, Zürich 1987, S.317).
Dort, wo die Kirche keine Einwände hatte, zitiert sie Origenes bis heute in ihren Dokumenten, allein im aktuellen katholischen Katechismus an zehn Stellen.
Dazu auch noch einige Zeilen aus dem Buch „Bruder Jesus - Der Nazarener aus jüdischer Sicht" von Schalom Ben Chorin:
„Der Gedanke der Wiedergeburt ist im Judentum der Zeit Jesu offensichtlicher Volksglaube ... So hielten die Leute Jesus für einen der alten Propheten, der wiedergekommen ist (Luk.9,8 u.19). Im Talmud finden sich oft merkwürdige Notizen, die auf einen Seelenwanderungs- oder Wiedergeburtsglauben schließen lassen, wie etwa die Bemerkung: ´Mordechai, das ist Samuel.´ Hier will gesagt sein, dass der Jude Mordechai, der Onkel der Königin Esther, eine Wiedergeburt des Propheten Samuel war ..." (dtv-Taschenbuch, München 1977, S.25)
Keine Beweise, aber Spuren der Reinkarnationslehre finden sich auch bei einflussreichen Gruppen der Phariäser oder der Essener (Hinweise beim Historiker Josephus). Außerdem schrieb Origenes, dass die Jerusalemer Juden, mit denen Jesus sprach, an Reinkarnation geglaubt hatten (Johanneskommentar VI, 73).
So kann man zusammenfassen:
Das Wissen um Reinkarnation war also in der Umwelt von Jesus bekannt, so dass er es bei seinen Lehren voraussetzen konnte. Das ist eine von drei denkbaren Erklärungen dafür, warum nicht so viel zu diesem Thema überliefert ist.
Eine zweite Erklärung ist, dass diese Überlieferung nicht im Interesse der Kirche war, weshalb die meisten Zeugnisse außerhalb der Bibel in den so genannten „Apokryphen" (= verborgenen Schriften) stehen.
Und auf eine dritte denkbare Erklärung weist der „Kirchenvater" Hieronymus hin, von dem folgender Satz überliefert wird: „Die Lehre von der Wiederkehr wurde seit den allerersten Zeiten den Wenigen verkündet als ein überlieferter Glaube, der nicht öffentlich verkündet wurde" (Hieronymus, Epistula ad Demetriadem, zitiert nach K. O. Schmidt, Kehret wieder Menschenkinder, Bonn 1970, S.42).
Die meisten Informationen zur Lehre der Reinkarnation finden wir, wie schon erwähnt, in so genannten „apokryphen" Schriften, die von der entstehenden Großkirche nicht in die Bibel aufgenommen wurden.
Dieses Jesuswort entstammt einem Evangelium, das im 2. Jahrhundert entstanden ist und damit älter ist als die ältesten bekannten Handschriften der biblischen Evangelien aus dem 4. Jahrhundert.
Weitere Informationen oder Spuren zur Reinkarnation finden wir bei den so genannten „Kirchenvätern", deren Schriften ebenfalls älter sind und damit näher am Urchristentum als die biblischen Handschriften.
Viele sprachen vom "Umgießen der Seelen", z.B. Clemens von Alexandrien (um 200; Stromateis III,13,3).
Die Seele braucht übrigens einige Zeit, um sich in dem jeweils neuen Körper zurecht zu finden und formt diesen in der Folgezeit gemäß ihren Speicherungen aus ihren Vorleben.
So liessen sich noch wesentlich mehr Stellen finden doch lassen wir ´s mal dabei.
>>"Gleichzeitig erstand in Frankreich die mächtige Bewegung der Waldenser, die ein an der Bibel orientiertes, einfaches Christentum anstrebten.
Der Kirche gelang es nicht, diese Bewegungen mit den üblichen Mitteln - Verleumdung, Verächtlichmachung, Angstmache, Vereinnahmung - zum Stillstand zu bringen. Diese Bewegungen erhielten immer mehr Zulauf und genossen auch den Schutz zahlreicher Fürsten. Hier zog die Romkirche andere Register.
Von 1209 bis 1229 hetzte der Papst die "Christenheit" gegen die Katharer und ihre Beschützer in den ersten Ketzerkreuzzug.
Eines der Hauptziele der Inquisition war nach Aussage des russischen Historikers Griguljevic die Auslöschung aller Menschen und Bewegungen, die an das Gedankengut des Urchristentums anknüpften - und solche Menschen werden bis heute von beiden Kirchen bekämpft."
da gebe ich dir z.t. recht, (allerdings - beide kirchen???) nur so denke ich eine kirche mit dem wissen des MA - hat nicht gewusst, welche anderen register es hätte ziehen sollen.<<
Ja doch bester Salt, durch beide Kirchen und zwar durch die sogenannten Weltanschuungsbeauftragten, auch "Sektenbeauftragte" genannt, die in guter Tradition der Inquisitionsbeauftragten stehen.
Wen meinst Du übrigens mit MA ?
>>"Solange dies so bleibt,ist jede "Entschuldigung" des Papstes bzw. der kath. Kirche nur scheinheilige Kosmetik."
also, ich denke, das der papst das ehrlich gemeint hat. was soll ich dazu noch sagen? das vielleicht vergasungstote mit sogenannten wiedergutmachungszahlungen zu entschädigen sind? im grunde genommen geht das auch nicht.<<
Ehrlich ? Das kann man auch anders sehen !
Ein kleines »Entschuldigung« am Aschermittwoch 2000 - in welchem Verhältnis steht das zu etwa 1500 Jahren kirchlicher Ketzerverfolgung, Folter, abertausenden von Hexenverbrennungen, Kreuzzügen, in denen ganze christliche Bewegungen wie z.B. die Katharer ausgerottet wurden?
Bis auf einige unwesentliche »Verfehlungen« hält die Kirche die Inquisition nach wie vor für ein geeignetes Mittel zur »Reinhaltung der christlichen (!) Lehre«. Die modernen Inquisitoren gehen heutzutage gegen Andersgläubige nicht mehr mit so altertümlichen Mitteln wie Scheiterhaufen oder Streckbank vor, sondern z.B. mit Rufmord und Lügenverbreitung durch die Medien, gesellschaftliche Ächtung, wirtschaftliche Vernichtung u.a. - Mit »christlicher Lehre« hat das absolut nichts zu tun!
Aufsehen erregt hat, dass die sich unfehlbar wähnende Kirche endlich das tun wollte, was für einen Christen eigentlich selbstverständlich ist, nämlich Schuld einzugestehen. Enttäuscht hat, mit welch verharmlosenden Formulierungen sie furchtbaren Fakten aus dem Weg gegangen ist und wie bedenkenlos sie die Schuld für die blutige Vergangenheit Ihrer Institution ganz allgemein "den Christen" zugeschoben hat. Mit der Verharmlosung verhöhnt der Papst die Opfer der eingestandenen Verfehlungen; mit der Schuldzuweisung an "die Christen" verhöht er Jesus, den Christus: denn viele, die sich nach Ihm benannt haben, vor allem jene, die Seine Nachfolge ernst nahmen, haben mit der Römisch-Katholischen Kirche und ihrer Vergangenheit nichts zu tun
Unter der Überschrift "Bekenntnis der Schuld im Dienste der Wahrheit" lautet sein Schuldeingeständnis:
"In manchen Zeiten der Geschichte haben die Christen bisweilen Methoden der Intoleranz zugelassen."
Diese ungeheuerliche Verharmlosung verschlägt einem den Atem:
Was er "bisweilen" nannte, dauerte vom 11. bis zum 18. Jahrhundert.
Und in all diesen Jahrhunderten kam es nicht nur zu "Methoden der Intoleranz", sondern die Kreuzzüge (vom 11. bis zum 13. Jahrhundert) und die Inquisition (vom 13. bis zum 18. Jahrhundert) sowie die Hexenverfolgung (vom 16. bis zum 18. Jahrhundert) führten zur systematischen Ausrottung von Millionen von Menschen durch Folter und Feuertod. Und dies alles wurde nicht von ungenannten Christen "zugelassen", sondern von Ihm und des Kardinals Ratzinger Vorgängern angeordnet und durchgeführt, mit Hilfe von Zehntausenden irregeleiteter Gläubigen dieser Kirche, die mit Verdammnisdrohungen und Ablaßversprechungen gefügig gemacht wurden.
Wie will die Kirche bei Gott Vergebung für ihre Blutspur erlangen und glaubwürdig dartun, dass sich derartiges nicht wiederholt, wenn ihr Schuldbekenntnis die Taten gar nicht eingesteht und die Verantwortung dafür anderen zuschiebt?
Von jedem Ihrer Gläubigen verlangt die Kirche im Beichtstuhl ein ehrliches Bekenntnis unter Angabe seiner konkreten Sünden. Eine Beichte, die so ausfiele wie sein Schuldbekenntnis, wäre nach kirchlicher Lehre schlicht ungültig.
Das Wort "töten", das in der Kirchengeschichte lange Zeit das Wort "lieben" ersetzte, kommt in der Beichte überhaupt nicht vor, sondern wird nur im Zusammenhang mit der Tötung ungeborenen Lebens erwähnt, einem Bereich, der für die Kirche ungefährlich ist. Die Toten der Kreuzzüge, die Opfer der Inquisition, die verbrannten "Hexen" und die ermordeten Katharer, Waldenser, Hussiten und Täufer erwähnte er mit keinem Wort !!!!
Da war die Kirche früher schon weiter, als beispielsweise sein Vorgänger Hadrian VI. 1523 eingestand, dass "auch bei diesem Heiligen Stuhl schon seit manchen Jahren viel Verabscheuungswürdiges vorgekommen" sei: Er jedenfalls hat die Verfehlungen der Kirche nicht auf deren "Söhne und Töchter" abgeschoben.
Haben dem Papst womöglich seine Kurienkardinäle ein ehrliches Bekenntnis, zu dem er in früheren Ansprachen ansetzte, nicht mehr erlaubt? Wo bleibt sein Bekenntnis zur Versklavung der schwarzen Brüder und Schwestern, von der er 1985 bereits sprach, und das Bekenntnis zu den Verbrechen gegenüber den indianischen Ureinwohnern, die er 1992 erwähnten? Anstatt einzugestehen, dass im Auftrag der Kirche von kirchlichen Missionaren unter den Eingeborenen Blutbäder "zur höheren Ehre Gottes" angerichtet wurden, sprach er kühl von der "Logik der Gewalt", der "die Christen nachgegeben" hätten - selbstverständlich "im Dienste der Wahrheit".
***Bei einer ordentlichen Beichte würde man bekennen: "Wir haben Indianer getötet, wir haben Schwarze versklavt, wir haben die Kolonien geplündert, wir haben Ketzer und Hexen verbrannt und insgesamt Millionen von Menschen auf grausame Weise ermordet."***
Geradezu gefährlich ist sein Ausweichen in der Judenfrage:
Er ist "zutiefst betrübt über das Verhalten aller, die im Lauf der Geschichte" die Juden "leiden ließen". In diesem Punkt scheinen er die Schuld der Kirche vollends zu verdrängen, obwohl sie es doch war, die von den "Gottesmördern" sprach und auf diese Weise die Juden jahrhundertelang stigmatisierte, so dass Adolf Hitler nach eigenem Bekunden nur mehr vollzog, was die Kirche geistig vorbereitet hatte. !!!
Wer garantiert den Juden und anderen der Kirche mißliebigen Religionen, dass sie vor weiteren Verfolgungen durch die Kirche wirklich sicher sind, wenn die Kirche so wenig Einsicht in ihre moralische Mitverantwortung am Holocaust zeigt und statt dessen geradezu dreist von einer "heidnischen Ideologie" spricht?
Zu einer gültigen Beichte gehört nach katholischer Lehre nicht nur die ehrliche Reue und der gute Vorsatz, die alten Sünden nicht erneut zu tun, sondern auch die Wiedergutmachung. In dem von ihm herausgegebenen Katechismus der Katholischen Kirche heißt es in Ziff.1459:
"Viele Sünden fügen dem Nächsten Schaden zu. Man muß diesen, soweit möglich, wiedergutmachen (z.B. Gestohlenes zurückgeben, den Ruf dessen, den man verleumdet hat, wiederherstellen, für Beleidigungen Genugtuung leisten). Allein schon die Gerechtigkeit verlangt dies."
" Wann gibt die Kirche ihr Diebesgut zurück, das ihren unglaublichen Reichtum begründete: Die Vermögen der Ketzer, das Geld der "Hexen", die Schätze der beraubten Indianerstämme, die Ländereien, die sie sich durch nachgewiesene Urkundenfälschungen erschlichen hat?
Wann räumt die Kirche ihre Schatzkammern, um einen weltweiten Entschädigungsfonds zu bilden - für die Nachkommen der von ihr "missionierten" Schwarzen und Indianer, für die Opfer der Judenverfolgung und auch für die Folteropfer moderner Diktatoren, die nicht zuletzt deshalb möglich wurden, weil die Kirche als moralische Autorität des Abendlandes der Welt jahrhundertelang auf grausamste Weise vorexerziert hat, wie man mit religiösen, rassischen und politischen Minderheiten verfährt.
Wann befreit sich die Kirche von ihren eigenen Lehrern der Gewalttätigkeit, z.B. von einem "heiligen" Augustinus, der die Folter als "Kur für die Seele" pries, von einem "heiligen" Bernhard von Clairvaux, der die Katharer ins Feuer trieb oder von einem "heiligen" Thomas von Aquin, der die Häretiker dem staatlichen Henker empfahl?
Will sie im Ernst einen Mann wie Pius XII. heilig sprechen, der Hitlers Rußlandkrieg befürwortete und zum Holocaust schwieg?
Und wie sieht es mit den in den Tod und die "ewige Verdammnis" geschickten Millionen Ketzern im Jenseits aus? Nachdem sie in Ihrem "mea culpa" mit keinem Wort erwähnt werden, bleibt ihr geistiges Schicksal ungewiß: Wird die Kirche diese "armen Seelen" vom Bannfluch befreien und dafür nun ihre kirchlichen Peiniger verfluchen?
Deshalb ist es nicht richtig, dass die Kirche ihre schwere eigene Schuld in eine christliche Kollektivschuld ummünzt !!
Seine Erklärung hat mit dem Christus der Bergpredigt nichts gemein, so lange die Kirche den Balken im eigenen Auge nicht sieht und fortfährt, ihre "Söhne und Töchter" für die Verbrechen von Päpsten und Kardinälen verantwortlich zu machen. So lange ist auch die Gefahr nicht gebannt, dass die Kirche die Scheiterhaufen, die nur unter dem Zwang der weltlichen Menschenrechtsbewegung gelöscht wurden, wieder anzündet.
mit Grüssen
von Gegendenstrom